Ich hatte das große Vergnügen, am 16. November 2008 um 15 Uhr der Eröffnung eines jüdischen Filmclubs in Wien beizuwohnen. Einige junge Menschen haben die Entscheidung getroffen, jüdische Filme einem interessierten Publikum zu präsentieren. Juden und Nichtjuden sind dazu eingeladen, zumindest sechs Veranstaltungen pro Jahr zu besuchen.
Mit dem Metro-Kino hat der jüdische Filmclub ein Kino mit besonderer Atmosphäre als Veranstaltungsort und das Filmarchiv als Kooperationspartner bekommen. Wie einer der Initiatoren bekundete, werden unterschiedlichste Filme im Jahr 2009 auf dem Spielplan stehen. Es wird zudem versucht werden, Regisseure, Schauspielerinnen und Schauspieler für die Veranstaltungen zu gewinnen.
Die Etablierung eines jüdischen Filmclubs in Wien ist von großer Bedeutung. Jüdische Kultur in Bild und Ton sehen zu können kann Herzen aufgehen lassen, und insbesondere auch einen Bezug zum Judentum (für Nichtjuden und Juden) herstellen, welcher der Nährboden für weitere Beschäftigung mit dieser Religion und Kultur sein mag. Herr Stern, der den jüdischen Filmclub unterstützt, sagte auch, dass möglichst viele Menschen von der Existenz dieses Vereins wissen sollten. Also, ich komme seinem Ansinnen gerne nach, und gebe kund, dass nach fünfzig Jahren wieder ein jüdischer Filmclub in Wien existiert, der sich viele interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer, Unterstützerinnen und Unterstützer, Mitglieder
und Sponsoren wünscht. www.juedischer-filmclub.at
Der Einstandsfilm des jüdischen Filmclubs ist schon mal ein kleines Juwel. Eine fast als trashig zu bezeichnende Komödie rund um einen schwulen Mann, der schließlich von seiner Mutter gedrängt eine Frau heiratet, und darob in arge persönliche Turbulenzen gerät.
Köstlich war schließlich das koschere Buffet. Auch der Rotwein mundete vorzüglich.
Und was mich besonders gefreut hat: Ich bin schon seit vielen Jahren mit dem Wiener Filmarchiv verbunden, aber so viele Zuschauer gab es schon lange nicht! Das Metro-Kino platzte aus allen Nähten, und es mussten sogar Zusatzsessel aufgestellt werden! Vielleicht gibt es ja sogar mal ein Stelldichein im Augarten, wo das Filmarchiv im Sommer Open-Air-Kino anbietet.
Ich wünsche dem jüdischen Filmclub alles Gute, und werde selbst bemüht sein, so viele Vorstellungen wie möglich zu besuchen. Eine Mitgliedschaft wäre eine besondere Ehre für mich.
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Montag, 17. November 2008
Sonntag, 9. November 2008
Novemberpogrom 1938
Als ich im Jahr 2006 das Gelände des ehemaligen KZ Auschwitz und Birkenau betrat, erwies sich dies als besonders schwerwiegende Erfahrung. Die Vorstellung, dass an diesen Orten über eine Million Jüdinnen und Juden auf bestialische Weise umgebracht worden sind, verursacht ein nicht beschreibbares Gefühl im Herzen. Ich hätte mir nach den ersten Minuten nicht gedacht, dass ich überhaupt in der Lage bin, mehrere Stunden in Auschwitz und Birkenau zu verharren.
Die Erinnerung an das Schicksal von hunderttausenden Menschen, die von den Nazis ihres Lebens beraubt worden sind, steht anlässlich dieses traurigen Jubiläums an der Tagesordnung zahlreicher Veranstaltungen. Es begann mit der Zerstörung von Synagogen und Geschäften, die von Menschen mit jüdischen Wurzeln geführt wurden, und setzte sich im Laufe von Tagen, Wochen, Monaten und Jahren bis zur unfassbar als „Endlösung“ deklarierten Vernichtungsmaschinerie fort.
Mir schnürte es Herz und Seele zusammen, als ich vor Ort in Auschwitz und Birkenau das Gelände der ehemaligen Konzentrationslager durchschritt. Viele Baracken stehen noch, auch einige Wachtürme. Ort und Lage der Gaskammern sind ersichtlich. Die Verbrennungsöfen können besichtigt werden. Der in den KZs auswuchernde Wahnsinn ist überall auf dem Gelände zu erahnen. Doch trotz alledem ist es nicht nachvollziehbar, was sich hier alles abgespielt haben mag.
Wer je in Auschwitz und/oder Birkenau gewesen ist, und auf dem Gelände der ehemaligen Konzentrationslager unterwegs war, wird diese Erfahrung nie vergessen. Nie sollte vergessen werden, was Menschen mit jüdischen Wurzeln angetan wurde! Den Menschen zu gedenken, die unter der brutalen Naziherrschaft auf bestialische Weise zu leiden hatten, sollte nicht nur auf den heutigen Tag und die Abendstunden beschränkt sein. Das Novemberpogrom war der Anfang einer Kette von menschlichen Abgründen, von denen die jüdische Bevölkerung betroffen war. Die Erinnerung an unzählige schreckliche Verbrechen, welche im Namen einer befremdlichen Ideologie begangen wurden, kann nie aus den Köpfen der Nachkommen getilgt sein. Und wir Nachkommen sind aufgerufen, darauf zu achten, dass nie wieder etwas Derartiges passieren darf. Wir müssen wachsam sein!
Heutzutage ist der Fremdenhass an die Stelle des offiziell nicht mehr propagierten Antisemitismus getreten. Asylanten werden wie Aussätzige behandelt. Viele Menschen haben unter Umständen zu leiden, die von einem Rechtsstaat nicht geschaffen werden dürften. Die Angst vor den „Ausländern“ ist nicht nur unbegründet, sondern gleichermaßen absurd. Wer die Kultur des neuen Heimatstaates ignoriert oder sogar ablehnt, hat in diesem neuen Kultur- und Zivilisationskreis nichts verloren. Doch es ist beschämend, diese Argumente auf ALLE Menschen abzuwälzen, die sich für Österreich als neue Heimat oder Asylland entschieden haben. Es darf nicht sein, dass Menschen kategorisch zu „Staatsfeinden“ oder Schmarotzern erklärt werden.
Das Novemberpogrom 1938 dürfen wir Nachkommen wie auch die unfassbaren Folgen nie vergessen. Fremdenhass und Diffamierung von gesellschaftlichen Randgruppen dürfen nicht als selbstverständliche politische Äußerungen einfach im Raum stehen bleiben. Wir sind dazu aufgerufen, dagegen Zeichen zu setzen. Die innere Einstellung ist und bleibt das kostbarste Gut, über das wir verfügen. Es gilt, uns auch mit den Aspekten in uns auseinander zu setzen, die möglicherweise fragwürdig sind. Der Mensch muss sich auch in Frage stellen können. Nur dann ist die Ausgangsbasis einer von innen kommenden Veränderung geschaffen.
Die Erinnerung an das Schicksal von hunderttausenden Menschen, die von den Nazis ihres Lebens beraubt worden sind, steht anlässlich dieses traurigen Jubiläums an der Tagesordnung zahlreicher Veranstaltungen. Es begann mit der Zerstörung von Synagogen und Geschäften, die von Menschen mit jüdischen Wurzeln geführt wurden, und setzte sich im Laufe von Tagen, Wochen, Monaten und Jahren bis zur unfassbar als „Endlösung“ deklarierten Vernichtungsmaschinerie fort.
Mir schnürte es Herz und Seele zusammen, als ich vor Ort in Auschwitz und Birkenau das Gelände der ehemaligen Konzentrationslager durchschritt. Viele Baracken stehen noch, auch einige Wachtürme. Ort und Lage der Gaskammern sind ersichtlich. Die Verbrennungsöfen können besichtigt werden. Der in den KZs auswuchernde Wahnsinn ist überall auf dem Gelände zu erahnen. Doch trotz alledem ist es nicht nachvollziehbar, was sich hier alles abgespielt haben mag.
Wer je in Auschwitz und/oder Birkenau gewesen ist, und auf dem Gelände der ehemaligen Konzentrationslager unterwegs war, wird diese Erfahrung nie vergessen. Nie sollte vergessen werden, was Menschen mit jüdischen Wurzeln angetan wurde! Den Menschen zu gedenken, die unter der brutalen Naziherrschaft auf bestialische Weise zu leiden hatten, sollte nicht nur auf den heutigen Tag und die Abendstunden beschränkt sein. Das Novemberpogrom war der Anfang einer Kette von menschlichen Abgründen, von denen die jüdische Bevölkerung betroffen war. Die Erinnerung an unzählige schreckliche Verbrechen, welche im Namen einer befremdlichen Ideologie begangen wurden, kann nie aus den Köpfen der Nachkommen getilgt sein. Und wir Nachkommen sind aufgerufen, darauf zu achten, dass nie wieder etwas Derartiges passieren darf. Wir müssen wachsam sein!
Heutzutage ist der Fremdenhass an die Stelle des offiziell nicht mehr propagierten Antisemitismus getreten. Asylanten werden wie Aussätzige behandelt. Viele Menschen haben unter Umständen zu leiden, die von einem Rechtsstaat nicht geschaffen werden dürften. Die Angst vor den „Ausländern“ ist nicht nur unbegründet, sondern gleichermaßen absurd. Wer die Kultur des neuen Heimatstaates ignoriert oder sogar ablehnt, hat in diesem neuen Kultur- und Zivilisationskreis nichts verloren. Doch es ist beschämend, diese Argumente auf ALLE Menschen abzuwälzen, die sich für Österreich als neue Heimat oder Asylland entschieden haben. Es darf nicht sein, dass Menschen kategorisch zu „Staatsfeinden“ oder Schmarotzern erklärt werden.
Das Novemberpogrom 1938 dürfen wir Nachkommen wie auch die unfassbaren Folgen nie vergessen. Fremdenhass und Diffamierung von gesellschaftlichen Randgruppen dürfen nicht als selbstverständliche politische Äußerungen einfach im Raum stehen bleiben. Wir sind dazu aufgerufen, dagegen Zeichen zu setzen. Die innere Einstellung ist und bleibt das kostbarste Gut, über das wir verfügen. Es gilt, uns auch mit den Aspekten in uns auseinander zu setzen, die möglicherweise fragwürdig sind. Der Mensch muss sich auch in Frage stellen können. Nur dann ist die Ausgangsbasis einer von innen kommenden Veränderung geschaffen.
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