Die Medien starten jetzt wieder den Großangriff auf das Jahr 2008. Ob in politischer, sportlicher oder finanzieller Hinsicht: Es gilt, das Jahr 2008 zu rekapitulieren, ohne daraus irgendwelche Schlüsse abzuleiten.
Anfangs des Jahres schrieb ich von einer zu erwartenden „Zäsur“. Tatsache ist, dass es sogar mehrere Zäsuren gab, jedoch gerade jene nicht, welche von mir erwartet wurde. Die Ereignisse überschlugen sich in manchen Wochen, andere Wochen waren vergleichsweise sehr, sehr ruhig. Und am Ende des Jahres blicke ich nicht zurück, sondern nach vorn. Das Jahr 2009 eilt im Sauseschritt heran, und ich werde nicht wieder „das Gespenst der Zäsur“ beschwören. Alles und Nichts ist möglich. Jeder Tag kann ein neuer Anfang sein. Jeder Tag bietet neue Chancen. Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar (Ingeborg Bachmann).
Meine letzten Zeilen im Jahr 2008 möchte ich Otto Pammer widmen, dem großen Gesellschaftsreporter und Produzenten, der in der Nacht auf Montag verstorben ist. Noch vor wenigen Wochen besuchten meine Freundin und ich eine Veranstaltung zu Ehren von Otto Pammer, die vom Filmarchiv organisiert worden ist. Hierbei hatte ich die Gelegenheit, Otto Pammer persönlich zu erleben, und aus seinen reichhaltigen Erinnerungen erzählen zu hören. Otto Pammer hat im Laufe seines Lebens viele Jahre als „rasender Reporter“ gearbeitet, und sozusagen in „Personalunion“ als Redakteur, Kameramann, Cutter und Regisseur agiert. Das Filmarchiv hat erst vor wenigen Monaten mit ihm die Übernahme des zeitgeschichtlichen Archivs („Fox tönende Wochenschau“) vereinbart. Hierbei handelt es sich um sehr wertvolle historische Beiträge, von denen einige anlässlich des Abends zu Ehren von Otto Pammer gezeigt wurden.
Die Relativität des Lebens zeigt sich insbesondere dann, wenn Menschen, die noch vor kurzem ihr Leben mitten unter uns bestritten, nicht mehr unter uns weilen. Ich bin dafür dankbar, diesem großen Reporter, Regisseur und Produzenten einmal persönlich begegnet zu sein.
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Dienstag, 30. Dezember 2008
Montag, 17. November 2008
Jüdischer Filmclub Wien
Ich hatte das große Vergnügen, am 16. November 2008 um 15 Uhr der Eröffnung eines jüdischen Filmclubs in Wien beizuwohnen. Einige junge Menschen haben die Entscheidung getroffen, jüdische Filme einem interessierten Publikum zu präsentieren. Juden und Nichtjuden sind dazu eingeladen, zumindest sechs Veranstaltungen pro Jahr zu besuchen.
Mit dem Metro-Kino hat der jüdische Filmclub ein Kino mit besonderer Atmosphäre als Veranstaltungsort und das Filmarchiv als Kooperationspartner bekommen. Wie einer der Initiatoren bekundete, werden unterschiedlichste Filme im Jahr 2009 auf dem Spielplan stehen. Es wird zudem versucht werden, Regisseure, Schauspielerinnen und Schauspieler für die Veranstaltungen zu gewinnen.
Die Etablierung eines jüdischen Filmclubs in Wien ist von großer Bedeutung. Jüdische Kultur in Bild und Ton sehen zu können kann Herzen aufgehen lassen, und insbesondere auch einen Bezug zum Judentum (für Nichtjuden und Juden) herstellen, welcher der Nährboden für weitere Beschäftigung mit dieser Religion und Kultur sein mag. Herr Stern, der den jüdischen Filmclub unterstützt, sagte auch, dass möglichst viele Menschen von der Existenz dieses Vereins wissen sollten. Also, ich komme seinem Ansinnen gerne nach, und gebe kund, dass nach fünfzig Jahren wieder ein jüdischer Filmclub in Wien existiert, der sich viele interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer, Unterstützerinnen und Unterstützer, Mitglieder
und Sponsoren wünscht. www.juedischer-filmclub.at
Der Einstandsfilm des jüdischen Filmclubs ist schon mal ein kleines Juwel. Eine fast als trashig zu bezeichnende Komödie rund um einen schwulen Mann, der schließlich von seiner Mutter gedrängt eine Frau heiratet, und darob in arge persönliche Turbulenzen gerät.
Köstlich war schließlich das koschere Buffet. Auch der Rotwein mundete vorzüglich.
Und was mich besonders gefreut hat: Ich bin schon seit vielen Jahren mit dem Wiener Filmarchiv verbunden, aber so viele Zuschauer gab es schon lange nicht! Das Metro-Kino platzte aus allen Nähten, und es mussten sogar Zusatzsessel aufgestellt werden! Vielleicht gibt es ja sogar mal ein Stelldichein im Augarten, wo das Filmarchiv im Sommer Open-Air-Kino anbietet.
Ich wünsche dem jüdischen Filmclub alles Gute, und werde selbst bemüht sein, so viele Vorstellungen wie möglich zu besuchen. Eine Mitgliedschaft wäre eine besondere Ehre für mich.
Mit dem Metro-Kino hat der jüdische Filmclub ein Kino mit besonderer Atmosphäre als Veranstaltungsort und das Filmarchiv als Kooperationspartner bekommen. Wie einer der Initiatoren bekundete, werden unterschiedlichste Filme im Jahr 2009 auf dem Spielplan stehen. Es wird zudem versucht werden, Regisseure, Schauspielerinnen und Schauspieler für die Veranstaltungen zu gewinnen.
Die Etablierung eines jüdischen Filmclubs in Wien ist von großer Bedeutung. Jüdische Kultur in Bild und Ton sehen zu können kann Herzen aufgehen lassen, und insbesondere auch einen Bezug zum Judentum (für Nichtjuden und Juden) herstellen, welcher der Nährboden für weitere Beschäftigung mit dieser Religion und Kultur sein mag. Herr Stern, der den jüdischen Filmclub unterstützt, sagte auch, dass möglichst viele Menschen von der Existenz dieses Vereins wissen sollten. Also, ich komme seinem Ansinnen gerne nach, und gebe kund, dass nach fünfzig Jahren wieder ein jüdischer Filmclub in Wien existiert, der sich viele interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer, Unterstützerinnen und Unterstützer, Mitglieder
und Sponsoren wünscht. www.juedischer-filmclub.at
Der Einstandsfilm des jüdischen Filmclubs ist schon mal ein kleines Juwel. Eine fast als trashig zu bezeichnende Komödie rund um einen schwulen Mann, der schließlich von seiner Mutter gedrängt eine Frau heiratet, und darob in arge persönliche Turbulenzen gerät.
Köstlich war schließlich das koschere Buffet. Auch der Rotwein mundete vorzüglich.
Und was mich besonders gefreut hat: Ich bin schon seit vielen Jahren mit dem Wiener Filmarchiv verbunden, aber so viele Zuschauer gab es schon lange nicht! Das Metro-Kino platzte aus allen Nähten, und es mussten sogar Zusatzsessel aufgestellt werden! Vielleicht gibt es ja sogar mal ein Stelldichein im Augarten, wo das Filmarchiv im Sommer Open-Air-Kino anbietet.
Ich wünsche dem jüdischen Filmclub alles Gute, und werde selbst bemüht sein, so viele Vorstellungen wie möglich zu besuchen. Eine Mitgliedschaft wäre eine besondere Ehre für mich.
Mittwoch, 30. April 2008
Fußball-EM, Teil 2: FUSSBALL FIEBER ÖSTERREICH
Am 29. April des Jahres, das die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz wird abhalten lassen, fand also im Vorfeld dieses Ereignisses eine DVD-Präsentation des Filmarchivs Austria statt. Die vorgestellten DVDs setzen den österreichischen Fußball in kulturwissenschaftliche und soziologische Kontexte. Zu meiner Überraschung sind ausgerechnet zu dieser Veranstaltung nur wenige Menschen eingetroffen, sodass das Metro-Kino als halb leer zu bezeichnen fast schon eine Untertreibung wäre.
Doch die wenigen anwesenden Zuschauer bekamen zum Einen erstaunliche historische Ausschnitte der Fußballgeschichte zu sehen, und wurden zum Anderen eines legendären Kameramannes, nämlich Otto Pammer, ansichtig. Die Mitproduzenten der DVD erwiesen sich als ein launiges Duo, das dem Publikum einige Lacher hervorlocken konnte.
Der interessanteste Filmausschnitt stammt aus dem Jahr 1938. Unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs ans großdeutsche Reich kam es zu einem bemerkenswerten Spiel zwischen dem „Altreich“ und der „Ostmark“. Dieses Spiel fand im Praterstadion statt und von „ganz oben“ lautete der Befehl, dass die Ostmärker kein Tor schießen sollten. Sodann zeigt der Filmbericht auch, dass der „Papierene“, Herr Sindelar, einige hochkarätige Chancen auf fantastische Weise vernebelte, und damit den Gegner buchstäblich demütigte. Doch eine der Chancen konnte gar nicht vergeben werden, da ein Ball unmittelbar vor der Torlinie zum Einschuss bereit lag. Sindelar selbst gab sich also die Ehre, und nur wenig später kanonierte Sesta fast von der Mittellinie aus einen Ball ins gegnerische Goal. Der Befehl „von ganz oben“ konnte also gar nicht ausgeführt werden, da der Komik auch damals schon Grenzen gesetzt waren.
Das Filmarchiv Austria hat mit dieser Doppel-DVD einen unschätzbaren kulturwissenschaftlichen Beitrag geleistet. Doch die Menschen interessieren sich – so scheint´s – nach wie vor bevorzugt für die leichteren Seiten des Fußballs, was ihnen freilich unbenommen bleibt.
Doch die wenigen anwesenden Zuschauer bekamen zum Einen erstaunliche historische Ausschnitte der Fußballgeschichte zu sehen, und wurden zum Anderen eines legendären Kameramannes, nämlich Otto Pammer, ansichtig. Die Mitproduzenten der DVD erwiesen sich als ein launiges Duo, das dem Publikum einige Lacher hervorlocken konnte.
Der interessanteste Filmausschnitt stammt aus dem Jahr 1938. Unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs ans großdeutsche Reich kam es zu einem bemerkenswerten Spiel zwischen dem „Altreich“ und der „Ostmark“. Dieses Spiel fand im Praterstadion statt und von „ganz oben“ lautete der Befehl, dass die Ostmärker kein Tor schießen sollten. Sodann zeigt der Filmbericht auch, dass der „Papierene“, Herr Sindelar, einige hochkarätige Chancen auf fantastische Weise vernebelte, und damit den Gegner buchstäblich demütigte. Doch eine der Chancen konnte gar nicht vergeben werden, da ein Ball unmittelbar vor der Torlinie zum Einschuss bereit lag. Sindelar selbst gab sich also die Ehre, und nur wenig später kanonierte Sesta fast von der Mittellinie aus einen Ball ins gegnerische Goal. Der Befehl „von ganz oben“ konnte also gar nicht ausgeführt werden, da der Komik auch damals schon Grenzen gesetzt waren.
Das Filmarchiv Austria hat mit dieser Doppel-DVD einen unschätzbaren kulturwissenschaftlichen Beitrag geleistet. Doch die Menschen interessieren sich – so scheint´s – nach wie vor bevorzugt für die leichteren Seiten des Fußballs, was ihnen freilich unbenommen bleibt.
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