Donnerstag, 4. September 2008

Zentralfriedhofs-Führer

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Bestellbar über

http://www.amazon.de/o/ASIN/3940921483/028-0234078-1818157?SubscriptionId=0HWY02BHF2XQRSDYSG02 und

http://www.tredition.de/books/ID394?PageMethod=OpenCreation&creationId=394

Der am 16.2.2008 veröffentlichte Zentralfriedhofs-Führer ist zu meiner Freude seit Anfang an (mit einer nur sehr kurzen Unterbrechung) bis jetzt in den Top 10 der Verkäufe (Print books) des Publikationsnetzwerkes Tredition zu finden. Das macht Mut für weitere Sachbuch-Projekte!

Mittwoch, 3. September 2008

Was wäre, wenn

Plakate, Diskussionen im Fernsehen und zahlreiche Beiträge und Interviews in Qualitätszeitungen oder auch Schundblättern machen den letzten Eremiten in Hintertupfing darauf aufmerksam, dass Wahlkampf ist. Und es soll nicht vom US-amerikanischen Duell die Schreibe sein, sondern von der österreichischen Variante.

Ja, was wäre, wenn…

es zu einem „Überraschungsergebnis“ kommt, und die GRÜNEN deutlich zweistellig werden, das LIF locker den Einzug in den Nationalrat schafft (5 % Minimum), und Faymann den D-Bonus ausspielt und an die 35 % erreicht? Ja, dann wäre tatsächlich die Möglichkeit einer Ampelkoalition ROT-GRÜN-LIBERAL im Raum stehend. Nach sechs Jahren misanthropischer „Regierungsarbeit“ unter SCHWARZ-BLAU und nachfolgendem zweijährigem Stillstand könnte also vielleicht sogar etwas weiter gehen. Nur WAS wäre tatsächlich umsetzbar, und welchen „Umsturz“ mag es dann im Laufe nur weniger Jahre geben?
… eine Grundsicherung, die diesen Namen auch verdient
… ein humanes Fremdenrecht
… Schaffung von sinnvollen Jobs bzw. Umschulungsmöglichkeiten für Erwerbsarbeitslose nach deren Vorstellungen
… bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne für in Pflegeberufen tätige Menschen
… umfassende – auch soziale – Betreuung für alte, schwer kranke, bettlägrige Menschen in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern
… Aufwertung von ehrenamtlicher Arbeit, und der Arbeit von Hausfrauen und alleinerziehenden Müttern/Vätern in Form von Bonifikationen
… monetäre und soziale Unterstützung von Menschen, die Angehörige pflegen
… Umstrukturierung der Lehrpläne aller Schultypen (weg mit dem unnötigen Ballast!) inklusive einer deutlichen Anhebung sportlicher Betätigung der Schülerinnen und Schüler
… und noch vieles mehr…

Was hier mit ein paar essenziellen Punkten angedeutet wird, mag für viele Menschen in Österreich – zumindest teilweise – eine Wunschvorstellung sein. Aber wäre es – im Fall des Falles – wirklich möglich, dass auch nur drei oder vier der erwähnten Punkte erfüllt werden?

Tja, und was wäre wenn…

das Szenario eintritt, das keine der beiden stimmenstärksten Parteien (voraussichtlich SPÖ und ÖVP) einen deutlichen Stimmenvorsprung erzielt, und zudem die FPÖ deutlich an Stimmen gewinnt? Käme es dann zu einer Wiederauflage des Irrsinns ÖVP/FPÖ oder doch nur wieder zum Stillhalteabkommen SPÖ/ÖVP oder ÖVP/SPÖ? Ja, und ein weiteres Horrorszenario wäre noch SPÖ/FPÖ.

Nur im Falle von SPÖ/FPÖ wäre ein absurder Umsturz denkbar. Die anderen Szenarien gab es schon, und da würde der Status quo nur beibehalten werden, was im Endeffekt ein paar verlorene Jahre wären.

Also, was wäre wenn SPÖ/FPÖ sich zusammenfinden würden?

… leichte Adaptionen des Fremdenrechts (die Richtung, tja…)
… die K-Zeitung als Polit-Barometer für einen längeren Zeitraum mit neuen Kolumnisten, die immer schon wussten, wie der Hase läuft
… Änderung des Strafrechts (die Richtung, tja…)
… kuriose Annäherungen in noch nicht bekannten Themata

Mehr will mir nicht einfallen. Eine schwarz-grüne Minderheitsregierung wird es wohl nicht spielen, und ob es da Gemeinsamkeiten gibt, na ja…




nicht wirklich…

Was wäre, wenn…

diese Wahl sowieso und überhaupt nichts ändern wird, sondern die Wirtschaft weiter das Sagen hat, und die Politik brav mitzieht? Das ist nicht mal eine Behauptung, da es den Tatsachen entspricht. Einen echten UMSTURZ kann es nur von unten nach oben geben, wenn die Menschen den Schwachsinn nicht mehr schlucken wollen, der von der Wirtschaft vorgegeben wird. Ja, eine ECHTE CHANCE kann sich nur ergeben, wenn Parteipolitik nicht als Maß aller Dinge gesehen wird. Wobei es freilich immer auch schlechter werden kann.

Was wäre, wenn…

die Bürgerinnen und Bürger Österreichs eine reine Protestwahl bestreiten würden, und ein unfassbares Ergebnis zustande kommt, das entweder SPÖ/GRÜNE/LIF zu einer Ampelkoalition machen könnte, oder aber eine der Kleinparteien als optionalen Koalitionspartner leuchten lassen mag? (BZÖ nehme ich aus dieser Berechnung heraus)

Fast alle Menschen wünschen sich, dass sich etwas ändert, aber wenn immer nur so gewählt wird, dass das Bestehende nur leicht adaptiert wird, bleibt alles beim Alten. Dieses Szenario sind die Österreicherinnen und Österreicher gewöhnt, und eine „Überraschung“ wäre es wohl nicht.

Doch was wäre, wenn…

endlich ein DEUTLICHES Zeichen der Gesamtbevölkerung im Sinne von –

JETZT IST ES ENDLICH AN DER ZEIT, DASS…

gesetzt wird? Am 28.9. werden wir es sehen…

Dienstag, 2. September 2008

Schulbeginn

Gestern hat in Wien wieder mal die Schulsaison für zahlreiche junge Menschen begonnen. Einige tausend in Österreich lebende Erdenbürger haben den allerersten Schultag hinter sich gebracht. Ein Zufall brachte es mit sich, dass ich gegen zehn Uhr vormittags einigen Kindern mit Schultüten begegnete, welche teilweise sogar von beiden Elternteilen begleitet waren.

Hervorstechend eine mickrige Schultüte im Besitz eines Knaben, dessen Mutter sich in hochhackigen Markenschuhen vorwärts quälte. Der Knabe machte keinen glücklichen Eindruck, dafür knickte Madame bei fast jedem Schritt ein. Oh, wie werden sich da die Muskeln freuen!

Was aber wird die Mädchen und Knaben erwarten, die erst gestern in das Schulleben eintraten? Hat die Lehrerin oder der Lehrer auch auf ihre Tafel gleich in der ersten Stunde geschrieben: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir!“ Wäre schön, wenn es wahr wäre. Aber was heißt Leben? In erster Linie, worüber die kleinen Menschen glücklicherweise noch nicht ausreichend Bescheid wissen, Erwerbsarbeitsleben. Die Arbeitsgesellschaft wird frühestens in 9, spätestens in vielleicht 20 Jahren in den meisten Fällen ihren Tribut von ihnen fordern. Dann werden sie vielleicht einmal genug Geld haben, um der Gattin Markenschuhe oder dem Ehemann eine goldene Krawattennadel zu schenken! Sind das nicht fantastische Aussichten?

Das Leben besteht nicht nur aus Erwerbsarbeit, aber darauf werden die jungen Menschen tatsächlich über Jahre vorbereitet. Schließlich bedarf es dem Gelderwerb, um überhaupt über die Runden kommen zu können. Leistung hat aber mit der Höhe des Einkommens schon lange nichts mehr zu tun, wenngleich es auch in diesem Zusammenhang noch Ausnahmen geben mag. Und der beste Schüler kann später auf der ganzen Linie – scheinbar – „scheitern“, wenn er nicht die richtigen Freunde hat, und Bedacht darauf legt, Seilschaften aufzubauen. Der schlechteste Schüler aber kann voll durchstarten, wenn das Gegenteil der Fall ist oder überhaupt der Papa oder (im Sinne der Gleichberechtigung) die Mama alles richten wird.

Die jungen Menschen lernen nur wenig von der Realität, wie sie auf der Welt nun mal gegeben ist. Sie werden nur darauf hin „geschult“, sich anzupassen, und die geltenden Regeln einzuhalten. Das Ergebnis ist bekannt: Die Arbeitsgesellschaft mit ihren Regeln bestimmt für die meisten Menschen ihr Leben. Aber muss das sein? Wäre doch toll, wenn die Schülerinnen und Schüler tatsächlich für das Leben lernen könnten! Für ein Leben, das nicht nur darauf ausgerichtet ist, in die Position zu kommen, ein zahlungskräftiger Konsument zu sein.

Freitag, 29. August 2008

Das nahende Ende der Nuller-Jahre

Wer in Wien in der Innenstadt unterwegs ist, kann in vielen Geschäften bereits Kalender des Jahres 2009 erwerben. 2009 wird das letzte Jahr der sogenannten Nuller-Jahre sein. Ein bekannter Radiosender kündigt sein Programm – noch – mit den absurden Worten an:
„Die besten Hits der 80´er, 90´er und von heute.“ Für die Nuller-Jahre hat der Sender also keinen Begriff bzw. will nicht auf das Naheliegende zugreifen. Tatsächlich sind die Nuller-Jahre insbesondere aus österreichischer Sicht sehr mager verlaufen.

Natürlich ist Österreich nach wie vor eines der reichsten Länder der Welt. Doch das Zustandekommen einer rechtskonservativen Regierung mit extremen rechten Ausläufern betrieb sechs Jahre lang eine menschenverachtende Politik, die nur Unternehmern und „erfolgreichen“ Eigendarstellern etwas für das Säckel gebracht hat. Die Schere zwischen Arm und Reich ging weiter auf, prekäre Jobs wuchsen wie die Schwammerln, Unternehmensgewinne detto und von einer Lohnerhöhung bekamen nur Mitarbeiter der Industrie und staatsnaher Betriebe etwas mit. Eine Politik zum Vergessen, deren „Wirkungen“ bis heute und darüber hinaus spürbar sind.

Durch einen „Gewinn“ der Wahl mit hauchdünnem Vorsprung war es einem gewissen Herrn Gusenbauer möglich, sich zum Kanzler zu küren. Das wollte die Gegenseite nicht auf sich sitzen lassen, und blockierte jede mögliche Innovation in welche Richtung auch immer. Nach sechs Jahren unerträglicher „Regierungsarbeit“ folgten zwei Jahre des nahezu völligen Stillstands. Die Nuller-Jahre mögen den meisten Österreicherinnen und Österreichern in diesem Kontext sauer aufstoßen. Auch vom Jahr 2009 kann nicht wirklich viel erwartet werden. Somit werden die Nuller-Jahre in realpolitischer Hinsicht als salto nullo in Erinnerung bleiben. Die Behauptungen diverser Minister und Regierungsmitglieder, es habe einen „Fortschritt“ gegeben sind ebenso absurd wie die ständig auftauchenden Statistiken über die Arbeitslosenzahlen.

Sind diese Nuller-Jahre verflucht? Ich persönlich kann auch nicht behaupten, besonders verwöhnt worden zu sein. Klarerweise sollte die Lebenssituation nicht mit dem Leben verwechselt werden. Dennoch ist es wenig erbaulich, Erfahrungen zu machen, die das frühere Weltbild stark relativieren. War früher alles besser, also in den berühmten 70´er, 80´er und 90´er Jahren? Würde ich nicht unterschreiben, aber das jetzt „etablierte“ Gesellschaftsklima scheint nur mehr von der Sorge um oder den Verlust des Arbeitsplatzes bestimmt zu sein. Die Arbeitsgesellschaft hat in den Nuller-Jahren enorm an Zugkraft gewonnen. Das Erwerbsarbeit mit Leistung nicht in direktem Verhältnis steht sollte den meisten Menschen bewusst sein. Warum also nicht die Idee verwirklichen und ein Grundeinkommen einführen? Oder der ehrenamtlichen Arbeit endlich jene Bedeutung zuerkennen, die sie verdient?

Was wird der Radiosender ab dem Jahr 2010 verkünden? „Die besten Hits der 80´er, 90´er, der letzten 10 Jahre und von heute!“ (?) Die „Vordenker“ werden sich etwas überlegen müssen. Und der Stehsatz „XX bei der Arbeit“, der suggeriert, es wäre hauptsächlich die erwerbstätige Bevölkerung, die den „Hits“ zuhören mag, ist auch schon Schnee von gestern. Welche Arbeitnehmer - außer einer kleinen Minderheit - hat Zeit und Muse, jeden Tag dem Kaffeeklatsch dieses Radiosenders zuzuhören?

Also, es ist keineswegs „traurig“, dass die Nuller-Jahre, von denen kaum mal wer öffentlich gesprochen hat, bald dem Ende zugehen. Vielleicht geht es danach aufwärts. Nicht nur für Österreich, sondern weltweit. Denn was die meisten Menschen der Entwicklungs- und Schwellenländer in diesen Nuller-Jahren mitmachen mussten und müssen, darüber könnten ein paar Tausend Romane geschrieben werden, die Unfassbares darstellen…

Sonntag, 24. August 2008

Olympia-Tagebuch, Teil 4: Resümee

Sehr viel ist im Vorfeld über die olympischen Spiele in Peking berichtet worden, und jetzt, wo die Veranstaltung zu Ende gegangen ist, ist es nicht allzu schwer, ein Resümee zu ziehen.

In sportlicher Hinsicht gab es eine Menge Rekorde. Allen voran Usain Bolt, der über die 100 Meter und die 200 Meter laufend Fabel-Weltrekorde aufstellte. Die 100 Meter-Zeit war weniger verwunderlich als die Verbesserung des Weltrekordes von Michael Johnson über die 200 Meter, welche der US-Amerikaner direkt im „Vogelnest“ mitbekam. Usain Bolt ist ein Läufertyp, der – scheinbar – eine unübliche Athletik aufweist, und wohl gerade deswegen als läuferisches Phänomen gelten mag.

Michael Phelps, der schwimmende Hüne, gewann acht Mal Gold, und übertraf also die Medaillenanzahl von Mark Spitz. Im Schwimmen sind aufgrund der Vielzahl der Wettbewerbe mehr Medaillen möglich als in anderen Sportarten. Dennoch ist die Leistung von Michael Phelps auch als überragend zu bezeichnen. Ein Vergleich mit Mark Spitz ist jedoch nicht wirklich angebracht, da sich die Zeiten geändert haben, und so manche Schwimmdisziplin zu Spitz Zeiten noch gar nicht ausgetragen wurde… Nun gut, Phelps kann sich über eine Million Dollar Gage freuen, wobei er seinen Staffelkameraden einen Teil von diesem Geld abgeben mag…

Es war wieder mal ein besonderer Genuss, die Kommentare von Siggi Bergmann zu den Box-Wettkämpfen zu hören. Nicht nur im Boxring, auch bei anderen Kampfsportarten und einigen anderen Bewerben, wo Kampfrichter Bewertungen abgeben, wurden zu einem beträchtlichen Teil fragwürdige Entscheidungen gefällt.

Ein Niederösterreicher gilt nun als stärkster Mann der Welt, und er hat dieses Attribut als „Deutscher“ errungen. Spielt aber keine Rolle, denn entscheidend ist, dass der Mann wohl mehr als viele andere Athleten mit voller Kraft und letztem Einsatz bereit war, diese Medaille zu holen, die er seiner Frau versprochen hatte… Er präsentierte die Medaille gemeinsam mit einem Foto seiner an den Folgen eines Autounfalls verstorbenen Frau.

Aus österreichischer Sicht haben sicher einige Sportlerinnen und Sportler enttäuscht. Drei Medaillen sind nicht unbedingt eine enorme Ausbeute, und dann nicht mal eine einzige aus Gold. Doch spielt das irgendeine Rolle im Weltgeschehen? Ich habe mit ungezügelter Freude die Wettbewerbe verfolgt – egal, ob Österreich eine Rolle spielte oder nicht. Wobei der vierte Platz im Teambewerb der Männer im Tischtennis wohl als herausragendste Leistung bezeichnet werden kann. Es war nur der schlechten Auslosung zu „verdanken“, dass es zu keiner Medaille reichen konnte. Dennoch fantastisch, insbesondere Robert Gardos zuzusehen, der den Ex-Weltmeister besiegte.

Abseits vom Sport wurde viel Theater veranstaltet. Die Menschenrechts-Situation in China kam nie in den Fokus der Berichterstattung, und einige Tibet-Aktivisten verschwanden schnell von der Bildfläche. Jedoch ist diesbezüglich China nicht der einzige Staat, der sich allerlei Menschenrechts-Verletzungen schuldig macht. Zweifellos ist China in punkto Todesstrafe „Vorreiter“, und Kinderarbeit ist weit verbreitet. Doch gilt es, die grundlegenden in vielen Ländern auf der Welt vorherrschenden „Gesellschafts-Regeln“ zu hinterfragen. Die Globalisierung fordert viel mehr Opfer als „Gewinner“. Und der Neoliberalismus ist insgeheim längst als gescheitert zu betrachten, außer seine Aufgabe besteht ausschließlich und zielgerichtet darin, die Schere zwischen Arm und Reich ständig größer zu machen.

In Peking stand – und das zu Recht – der Sport im Mittelpunkt. Und zwei Aspekte sind zu beachten: Um dieses Event überhaupt zu ermöglichen, war enorm viel Vorarbeit notwendig, die auch Menschenleben kostete (zu Tode gekommene Arbeiter am „Vogelnest“), und unglaublich viel Geld verschlang. Zudem war eine große Menge ehrenamtlicher Helfer bereit, diese olympischen Spiele mit unermüdlichem Einsatz zu unterstützen. Ehrenamtliche Helfer, die kaum Geld sahen, während so mancher Sportler mächtig abkassierte. Auch hier zeigt sich also buchstäblich die „Kehrseite der Medaille“.

Donnerstag, 21. August 2008

1968




© Milena Findeis (mit freundlicher Genehmigung)


© Milena Findeis (mit freundlicher Genehmigung)

Heute vor 40 Jahren, also am 21. August 1968, wurde die tschechoslowakische Reformbewegung von Panzern des Warschauer Paktes niedergewalzt. Die Bilder davon sind bekannt, und ich will hier keinen historischen Rückblick schreiben.

Für mich ging Anfang Juni ein Traum in Erfüllung. Ich traf beim 18. Prager Autorenfestival auf meinen Lieblings-Autor Paul Auster. Als Journalist akkreditiert wäre es mir leicht möglich gewesen, ein Gespräch mit ihm zu beginnen, doch ich entschied mich dagegen. Wenn ich schon einmal die Möglichkeit habe, an insgesamt drei Tagen auf meinen Lieblings-Autor zu treffen, dann will ich mich nicht als Journalist mit ihm unterhalten. Einige Redakteure liefen auf und ab, scherzten mit den Autorinnen und Autorinnen, als ob es für sie eine Selbstverständlichkeit wäre, im gleichen Fahrtwasser zu fischen. Ich sehe das nicht so. Ein Journalist ist dazu da, zu recherchieren, zu beobachten und zu beschreiben, was er sieht und erkennt. Die von Siri Hustvedt an einen selbstverliebten Journalisten überreichten Blumen sind so etwas wie ein Symbol für die Fragwürdigkeit der „Balance“ zwischen Autoren und Journalisten. Möglicherweise gab es ja Interviews oder lockere Zusammentreffen zwischen den beiden. Aber dann gleich die Weitergabe eines Geschenkes an einen Journalisten?

Ich beobachtete das Szenario, und Paul Auster war genau so, wie ich ihn mir vorstellte. Zurückhaltend, ruhig, kein Wort zuviel, ein ausgezeichneter Rezitator, Pazifist und nahm sich selbst nicht allzu wichtig. Eine gute Stunde saß ich in unmittelbarer Nähe zu ihm und seiner Frau Siri. Ich war hingerissen, und als er dann auch noch einen Eintrag in ein rotes Notizbuch schrieb…

Das Prager Autorenfestival hatte ein Hauptthema, und das war dem Jahr 1968 geschuldet. Es gab Themenabende, Diskussionen und Lesungen. 1968 aus tschechoslowakischer Sicht ist allgemein bekannt, aber dieses Jahr aus russischer und amerikanischer sowie mexikanischer Sicht ist eine andere Baustelle. Für Paul Auster war 1968 ein Jahr, in dem er mit dem Schreiben ein wenig ernst machen wollte. Er war noch sehr jung, und Vietnam stand im Mittelpunkt seines Interesses. Als Pazifist – ebenso wie Michael McClure – sprach er insbesondere von seinen diesbezüglichen Eindrücken. 1968 änderte vieles, und die unfassbaren Ereignisse in Prag ließen niemanden kalt. Die Diskussionen waren teilweise sehr heftig, weil keineswegs alle Autorinnen und Autoren einer Meinung sein wollten. Somit ergab sich die Kuriosität von Zurechtweisungen, eindimensionalen Ansichten und Disputationen.
Souverän wirkten neben Paul und Michael Margaret Atwood und die russische Autorin Elena Schwarz. Die imposanteste Lesung lieferte Günter Kunert ab, der das Publikum zu Lachstürmen reizte.

Nunmehr steht das Jahr 1968 kurzfristig medial im Mittelpunkt. Das Prager Autorenfestival ist über die Allgemeinplätze hinausgegangen, und hat diese Zeit mehrdimensional beleuchtet. Ein Festival, das ich nie vergessen werde. Auf http://www.pwf.cz/en/home-page/ sind einige Videos der Veranstaltung zu sehen.

Dienstag, 19. August 2008

Straßenbahn-Fahrt im Bild




Schon seit längerer Zeit sind auf einem österreichischen Spartensender Straßenbahn-Fahrten zu sehen. Immer wieder im Bild ist die Route der Linie 71, mit der ich fast täglich unterwegs bin. Es ist eine ungewöhnliche Idee, die hier verwirklicht worden ist. Die Frage ist nur, wie viele Menschen sich eine Stunde lang dieser Meditation hingeben?

Auffällig ist, dass der Aufenthalt in den Stationen so kurz wie möglich gehalten ist, und gleich nach Erreichen der Endstelle die Weiterfahrt in die andere Richtung erfolgt. So etwas ist in der Realität nicht gegeben. Überhaupt lassen die Straßenbahn-Intervalle – insbesondere der Linie 71 – zu wünschen übrig. Für den Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel sind die Aufzeichnungen von Straßenbahn-Fahrten eine willkommene Möglichkeit, eine andere Sichtweise auf die Normalität zu bekommen. Besonders interessant mögen diese Eindrücke jedoch für Touristen sein, insofern sie den Spartensender in ihren Hotels und Pensionen empfangen können.

Immerhin sind im Rahmen der Straßenbahn-Fahrt der Linie 71 einige Attraktionen dieser Strecke im Bild. Insbesondere sind die einzelnen Tore des Zentralfriedhofes kürzer oder länger zu sehen. Durch die spezifische Sichtweise des Fahrers gerät hierbei insbesondere der neujüdische Friedhof – viertes Tor – in den Mittelpunkt.

Vor einigen Wochen ereignete sich in unmittelbarer Nähe des dritten Tores des Zentralfriedhofes ein tragischer Verkehrsunfall, bei dem ein Mann ums Leben kam. Nunmehr sind an oder in der Nähe der Unfallstelle Kerzen und Blumen situiert. Es mag viele Menschen geben, die den Wiener Zentralfriedhof nur zu besonderen Anlässen besuchen. Ich für meinen Teil kann – so makaber dies auch klingen mag – von diesem zweitgrößten Friedhof Europas nicht genug bekommen. Die unmittelbare Nähe erlaubt es mir immer wieder, kurzfristig den Friedhof zu durchschlendern. Die ins laufende Bild gesetzte Straßenbahn-Fahrt der Linie 71 gefällt mir deswegen so gut, weil der Zentralfriedhof weithin sichtbar ist.