Als die Spanier im Viertel-Finale auf die Italiener trafen, gab es sicher nicht viele Fußball-Fans, die an einen Sieg der Spanier glaubten. Zu lange war es her, dass Spanien bei einem Großereignis den Italienern gewachsen waren. Auch in diesem Spiel sah es bis zum Elfmeter-Schießen so aus, als ob sich am Gesetz der Serie nichts ändern würde. 88 Jahre!!! waren vergangen seit dem letzten großen Sieg der Spanier gegen die Italiener, und nun?
Ich hatte eine Vorahnung, dass sich diesmal die Geschichte ändern würde. Die Spanier hatten wie fast immer gegen Italien dominiert, weit mehr Spielanteile und Torchancen. Italien brachte in vier Spielen kein einziges Tor aus dem Spiel zustande.
Und meine Vorahnung bestätigte sich. Die Spanier setzten sich gegen Italien ausgerechnet im Elfmeter-Schießen durch. Ich weiß nicht, wie lange es her gewesen ist, dass Spanien überhaupt im Elfemeter-Schießen siegreich war. Dieser historische Sieg der Spanier war sicher die Initialzündung für das Spiel der gegen die Holländer fantastisch aufspielenden Russen. In der Vorrunde waren die Russen noch naiv in Konter gelaufen, diesmal aber spielten die Spanier nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte groß auf. Der Spielmacher Arschawin war völlig abgemeldet, und in der zweiten Halbzeit marschierten die Spanier immer wieder mit Vollkraft Richtung gegnerisches Tor. Die Tore waren nur eine Frage der Zeit, und die Russen kamen erst beim Stand von 0:3 zur einzigen großen Tor-Gelegenheit.
Ein absoluter Sieg der Spanier gegen meinen sentimentalen Favoriten Russland.
Vom Gesetz der Serie her betrachtet ist die Chance groß, dass Deutschland nach bislang durchwachsenen Leistungen – wieder mal – ein großes Finale gewinnt. Der Sieg gegen die Türken war sehr glücklich zustande gekommen. Immerhin hatte aber kein Schiedsrichter in dieses „Glück“ eingegriffen, wie es im Viertel-Finale der Fall gewesen war.
Das die Türken nach drei Siegen in letzter Minute in Folge gegen Deutschland NICHT in der letzten Minute ausgleichen würden, war mir von vornherein klar. Wann hat denn Deutschland das letzte Mal ein wichtiges Spiel in letzter Minute verloren? Eben. Der Sieg in letzter Minute bestätigte die Regel… Aber, Moment mal, und was war mit Italien 2006? Dieser Sieg erfolgte NICHT in letzter Minute, sondern zeichnete sich die ganze Verlängerung hindurch ab.
Wird Spanien ein weiteres Mal das Gesetz der Serie durchbrechen, und Europameister werden? Aufgrund der hervorragenden Leistungen – mit Ausnahme des Spiels gegen Italien natürlich – ist den Mannen alles zuzutrauen. Deutschland hatte als Turniermannschaft schon oft das Glück auf seiner Seite. Angefangen vom ersten WM-Titel gegen um drei Klassen stärkere Ungarn, über den ungerechtfertigten Elfmeter 1990, der ihnen gegen Argentinien den WM-Titel bescherte, bis zum EM-Titel 1996, als sie im Finale gegen bessere Tschechen durch ein Eiergoal höchster Güte gewannen.
Jede Serie – und wenn sie noch so kurios ist – kann durchbrochen werden. In diesem Sinne freue ich mich auf das Finale, und hoffe, dass die Spanier ihren Höhenflug gegen Deutschland fortsetzen können.
Ein kleines Detail am Rande: Im Schülerliga-Finale Österreichs besiegte die Polgarstraße im Finale Eisenstadt mit 5:3. Die Wiener Schule hatte zuvor in sechs Endspielen nur einmal gewonnen. Wenn das kein gutes Omen für Sonntag ist…
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Freitag, 27. Juni 2008
Mittwoch, 11. Juni 2008
Fußball-EM, Teil 5: Reflexionen über die erste Runde der Gruppenphase
Die ersten Spiele, welche ich mir alle zur Gänze angesehen habe, ermöglichten erste Hinweise auf (Geheim)favoriten, und Qualität der Nationalmannschaften. Das Niveau ist insgesamt gesehen durchaus als hoch einzustufen. Zwei der Matches waren echte Kracher: Die Holländer kombinierten herrlich, und waren den Italienern in allen Belangen überlegen, was als Überraschung zu werten ist. Zwar hat die holländische Fußball-Nationalmannschaft immer wieder für ausgezeichnete Leistungen auch in der Vergangenheit gesorgt, jedoch ist der große Coup noch nicht gelungen. Vielleicht diesmal?
Die Portugiesen wiederum spielten die Türken 90 Minuten an die Wand, und selbst über vier oder fünf Gegentore hätten sich die Türken nicht beschweren können. Zwar erwiesen sich die Türken als „dankbarer“ Gegner, der kaum Gegenwehr zeigte, aber mit diesen Portugiesen wird im Laufe der Europameisterschaft zu rechnen sein!
Großes Pech hatten beide Nationalmannschaften der Veranstalter-Länder. Die Schweiz war den Tschechen fast über das gesamte Spiel gesehen überlegen, und hatte zudem mit einem Lattenpendler und dem Ausscheiden des Kapitäns Alexander Frei ballesterisches Unglück zu beklagen. Das Tor der Tschechen war so ziemlich die einzige gelungene und weiterhin „Zufalls-Aktion“, welche den unverdienten Sieg herstellte. Auch die österreichische Nationalmannschaft präsentierte sich als starkes Team, das gegen die Kroaten immer wieder Druck erzeugte, und mehrmals an einem Tor hauchdünn vorbeischrammte. Hier verhielt es sich so, dass nach dem unnötigen, und schließlich verwandelten Elfmeter das Spiel quasi mit 0:1 aus Sicht der Österreicher begonnen wurde. Sowohl die Schweiz als auch Österreich werden es sehr schwer haben, nach diesen unglücklichen Niederlagen die Gruppenphase zu überstehen. Mit Portugal und Deutschland scheinen buchstäblich nahezu unschlagbare Gegner im letzten Spiel zu warten.
Solide spielten die Spanier und Deutschen. Von einer Favoriten-Rolle will ich in diesen beiden Fällen nicht schreiben. Die Spanier konterten die gefällig spielenden Russen ausgezeichnet aus, wobei das erste Tor einem schrecklichen Fehler der russischen Hintermannschaft entsprang, und der letzte Treffer eindeutig aus Abseits-Position erzielt wurde. Ein 2:1 hätte den Kräfte-Verhältnissen der beiden Teams entsprochen. Das 4:1 entspricht dem Spielverlauf in keinster Weise. Die Deutschen wiederum spielten eine Halbzeit lang mit den Polen Katz und Maus, um dann in der zweiten Halbzeit stark zurückzufallen. Der Ausgleich für die Polen lag in der Luft, und ein – wiederum – „Zufallstreffer“ entschied das Spiel.
Bleiben noch die Rumänen und Franzosen, die sich gegenseitig neutralisierten (die Franzosen agierten extrem einfallslos, und haben mit dieser „Taktik“ weder gegen die Italiener noch gegen die Holländer den Funken einer Chance, die Rumänen ermauerten sich geschickt den Punktegewinn), und die Schweden, welche gegen einen erschreckend harmlosen, antiquiert kickenden Titelverteidiger Griechenland fast mühelos siegreich blieben.
Es kommt zwar am Ende fast immer anders, als man denkt, aber wenigstens will ich konstatieren, dass ein Weiterkommen der Türken, Griechen, Rumänen und Franzosen fast auszuschließen ist. Die Schweiz, Österreich, Russland und Italien werden es schwer haben. Auf Portugal, Holland und Spanien kann fast eine Bank gesetzt werden.
Die Portugiesen wiederum spielten die Türken 90 Minuten an die Wand, und selbst über vier oder fünf Gegentore hätten sich die Türken nicht beschweren können. Zwar erwiesen sich die Türken als „dankbarer“ Gegner, der kaum Gegenwehr zeigte, aber mit diesen Portugiesen wird im Laufe der Europameisterschaft zu rechnen sein!
Großes Pech hatten beide Nationalmannschaften der Veranstalter-Länder. Die Schweiz war den Tschechen fast über das gesamte Spiel gesehen überlegen, und hatte zudem mit einem Lattenpendler und dem Ausscheiden des Kapitäns Alexander Frei ballesterisches Unglück zu beklagen. Das Tor der Tschechen war so ziemlich die einzige gelungene und weiterhin „Zufalls-Aktion“, welche den unverdienten Sieg herstellte. Auch die österreichische Nationalmannschaft präsentierte sich als starkes Team, das gegen die Kroaten immer wieder Druck erzeugte, und mehrmals an einem Tor hauchdünn vorbeischrammte. Hier verhielt es sich so, dass nach dem unnötigen, und schließlich verwandelten Elfmeter das Spiel quasi mit 0:1 aus Sicht der Österreicher begonnen wurde. Sowohl die Schweiz als auch Österreich werden es sehr schwer haben, nach diesen unglücklichen Niederlagen die Gruppenphase zu überstehen. Mit Portugal und Deutschland scheinen buchstäblich nahezu unschlagbare Gegner im letzten Spiel zu warten.
Solide spielten die Spanier und Deutschen. Von einer Favoriten-Rolle will ich in diesen beiden Fällen nicht schreiben. Die Spanier konterten die gefällig spielenden Russen ausgezeichnet aus, wobei das erste Tor einem schrecklichen Fehler der russischen Hintermannschaft entsprang, und der letzte Treffer eindeutig aus Abseits-Position erzielt wurde. Ein 2:1 hätte den Kräfte-Verhältnissen der beiden Teams entsprochen. Das 4:1 entspricht dem Spielverlauf in keinster Weise. Die Deutschen wiederum spielten eine Halbzeit lang mit den Polen Katz und Maus, um dann in der zweiten Halbzeit stark zurückzufallen. Der Ausgleich für die Polen lag in der Luft, und ein – wiederum – „Zufallstreffer“ entschied das Spiel.
Bleiben noch die Rumänen und Franzosen, die sich gegenseitig neutralisierten (die Franzosen agierten extrem einfallslos, und haben mit dieser „Taktik“ weder gegen die Italiener noch gegen die Holländer den Funken einer Chance, die Rumänen ermauerten sich geschickt den Punktegewinn), und die Schweden, welche gegen einen erschreckend harmlosen, antiquiert kickenden Titelverteidiger Griechenland fast mühelos siegreich blieben.
Es kommt zwar am Ende fast immer anders, als man denkt, aber wenigstens will ich konstatieren, dass ein Weiterkommen der Türken, Griechen, Rumänen und Franzosen fast auszuschließen ist. Die Schweiz, Österreich, Russland und Italien werden es schwer haben. Auf Portugal, Holland und Spanien kann fast eine Bank gesetzt werden.
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Montag, 9. Juni 2008
Fußball-EM, Teil 4: Eindrücke von der Fan-Meile
Ich weiß ja nicht, warum das Ding Fan-Meile genannt wird, denn irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Fan oder Interessierte im Gedränge nur den Anschein hat, er liefe 1609,344 Meter, bis er in der Nähe einer der großflächigen Bildschirme sei, auf die das Geschehen aus den Stadien projiziert wird.
Die Stadt Wien ist Provinz, und das ist nicht neu. Aber insbesondere in der Innenstadt hatte ich den Eindruck, als wäre ich am Silvester-Pfad, und im nächsten Moment würde mir irgendwer ein Glücks-Schweinchen umhängen, sodass die österreichische Nationalmannschaft auch ja gewänne. Vielleicht trugen die gesammelten gebürtigen und eingebürgerten Österreicherinnen und Österreicher, die das Spiel gegen Kroatien gemeinsam ansahen, ein unsichtbares Glücks-Schwein um den Hals oder auf dem Kopf, aber es nutzte alles nichts: Wer kein Tor schießt, kann nicht gewinnen, und so verlor die Nationalmannschaft also unglücklich. Es hilft nichts, zu jammern und zu proklamieren, dass ein Sieg möglich gewesen wäre. Die Kroaten wären doch zu packen gewesen, spielten selbst einen Stiefel zusammen, und wenn der Kienast in letzter Minute nicht das Tor um wenige Zentimeter verfehlt…
Das Glücks-Schwein wurde mir zur Last, und also entschieden sich mein Bruder und ich, diese atmosphärisch uninteressante Stätte zu verlassen, und zum Prater zu pilgern, wozu wir nicht mal zuvor dieses komische Bücherl eines Komödianten lesen mussten. Nach nur wenigen U-Bahn-Stationen waren wir auch schon am Praterstern, tranken zuvor noch ein paar Bier, weil die Preise in der Fan-Zone (Fan-Meile kann nur ein Jux-Ausdruck sein…) für ein Krügerl sogar das Oktober-Fest in den Schatten stellen. Ja, und das kleine Areal auf der Kaiserwiese im Prater hat wohl etwas Heimeliges, Sympathisches an sich. Und das liegt nicht daran, dass ich hier in der Nähe aufgewachsen bin… Die Leinwand ist zudem wahrscheinlich drei Mal größer als jene in der Innenstadt. Und es ist sogar der Kommentar mühelos hörbar. Da kam also Freude auf, und ich werde wohl nur aus Masochismus und Tollerei anlässlich des nächsten Spiels der Austriaken gegen Polen mit meinen polnischen Freunden kurz oder lang die Fan-Zone in der Innenstadt streifen. Schließlich sollen sich auch die Gäste in der Wiener Provinz wohlfühlen…
Die Stadt Wien ist Provinz, und das ist nicht neu. Aber insbesondere in der Innenstadt hatte ich den Eindruck, als wäre ich am Silvester-Pfad, und im nächsten Moment würde mir irgendwer ein Glücks-Schweinchen umhängen, sodass die österreichische Nationalmannschaft auch ja gewänne. Vielleicht trugen die gesammelten gebürtigen und eingebürgerten Österreicherinnen und Österreicher, die das Spiel gegen Kroatien gemeinsam ansahen, ein unsichtbares Glücks-Schwein um den Hals oder auf dem Kopf, aber es nutzte alles nichts: Wer kein Tor schießt, kann nicht gewinnen, und so verlor die Nationalmannschaft also unglücklich. Es hilft nichts, zu jammern und zu proklamieren, dass ein Sieg möglich gewesen wäre. Die Kroaten wären doch zu packen gewesen, spielten selbst einen Stiefel zusammen, und wenn der Kienast in letzter Minute nicht das Tor um wenige Zentimeter verfehlt…
Das Glücks-Schwein wurde mir zur Last, und also entschieden sich mein Bruder und ich, diese atmosphärisch uninteressante Stätte zu verlassen, und zum Prater zu pilgern, wozu wir nicht mal zuvor dieses komische Bücherl eines Komödianten lesen mussten. Nach nur wenigen U-Bahn-Stationen waren wir auch schon am Praterstern, tranken zuvor noch ein paar Bier, weil die Preise in der Fan-Zone (Fan-Meile kann nur ein Jux-Ausdruck sein…) für ein Krügerl sogar das Oktober-Fest in den Schatten stellen. Ja, und das kleine Areal auf der Kaiserwiese im Prater hat wohl etwas Heimeliges, Sympathisches an sich. Und das liegt nicht daran, dass ich hier in der Nähe aufgewachsen bin… Die Leinwand ist zudem wahrscheinlich drei Mal größer als jene in der Innenstadt. Und es ist sogar der Kommentar mühelos hörbar. Da kam also Freude auf, und ich werde wohl nur aus Masochismus und Tollerei anlässlich des nächsten Spiels der Austriaken gegen Polen mit meinen polnischen Freunden kurz oder lang die Fan-Zone in der Innenstadt streifen. Schließlich sollen sich auch die Gäste in der Wiener Provinz wohlfühlen…
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