Elke Heidenreich ist ihren Job beim ZDF los. Sie hat über eine Zeitung kundgetan, dass es sie nicht stören würde, rausgeschmissen zu werden, und da ließ sich das ZDF nicht lumpen. Die Dame hat sich „geschämt“, für diesen Sender zu arbeiten. Aufgefallen ist es ihr aber erst, als Herr Reich-Ranicki gleich einen Rundumschlag gegen das Fernsehen machte.
Frau Heidenreich hat zudem Thomas Gottschalk verbal attackiert, was wiederum Herrn Reich-Ranicki dazu veranlasste, seinen neuen Duz-Freund Thomas Gottschalk zu verteidigen.
Ich muss zugestehen, schon längere Zeit die Sendung „Lesen“ boykottiert zu haben. Elke Heidenreich hat einen Vertrag mit Random house geschlossen, und dient sich nun also diesem Mega-Konzern an, der mit Vorliebe kleinere bis mittlere Verlage schluckt. Die Autorin, Büchernärrin und Opern-Liebhaberin kritisiert das ZDF schärfstens, und ist sich nicht zu schade, mit Random house zusammen zu arbeiten, wo nicht unbedingt ausschließlich wertvolle, qualitativ hochwertige Literatur verlegt wird.
Nunmehr breche ich eine Lanze für das ZDF. Wer sich nämlich ein bisschen mit dem Programm auseinandersetzt, das vom ZDF ausgestrahlt wird, den wird es wundern, wie es sein kann, dass irgendein Mitarbeiter diese Sendeanstalt nur widerwillig als Arbeitgeber ansieht.
Fast jeden Montag zeigt das ZDF oft ausgezeichnete Erstausstrahlungen von deutschsprachigen Filmen. Erst diese Woche etwa „Ein riskantes Spiel“; einen Spielfilm, der von Freundschaft bis in den Tod handelt, und das Prädikat besonders wertvoll verdient. Ebenfalls am Montag werden immer wieder in der Reihe „Das kleine Fernsehspiel“ hervorragende Filme (oft mit dokumentarischem Charakter) gezeigt.
„Das philosophische Quartett“, und das „Nachtstudio“ sind zwei Beispiele für ausgezeichnete Diskussionskultur im Fernsehen. Wenn ich etwa an die Sendung rund um Franz Kafka zurückdenke, einfach fantastisch!
„Aktenzeichen XY“ hat einen Stellenwert, den so mancher TV-Konsument in Frage stellen mag, doch diese Sendung sorgt durch das Zeigen von kriminellen Taten dafür, dass nicht wenige der Verbrechen durch Mitarbeit von Zuschauern aufgeklärt werden, und außerdem mag es passieren, dass einige der TV-Konsumenten aufmerksamer sind, wenn sie mit einer realen Situation konfrontiert werden, die an ein Verbrechen oder ein beabsichtigtes Verbrechen denken lässt.
Krimis gibt es noch und nöcher, keine Frage… Und nicht jede Krimi-Serie ist das Gelbe vom Ei. Jedoch sind es nicht nur die Zugpferde „Ein Fall für Zwei“ und „Der Alte“, welche für (im Falle von „Der Alte“ wieder) Qualität garantieren. „Der Kriminalist“ und „Kommissar Stolberg“ zeigen ausgezeichnete Schauspieler in titelgebenden Rollen, deren Persönlichkeitsstrukturen verschiedener nicht sein können, und gerade deswegen zu brillieren vermögen. Mit „Kommissarin Lucas“ und „Bella Block“ ermitteln zudem zwei Frauen (vielleicht etwas zu selten), deren Rollenträgerinnen zur Creme de la creme der deutschsprachigen Schauspielkunst zählen. Und nicht zu vergessen, dass sich das ZDF mit „Kommissarin Lund“ die Rechte für ein ungewöhnliches Krimi-Serien-Konzept aus Dänemark gesichert hat!
Vom Zugpferd „Wetten…dass?“ brauche ich gar nicht groß zu schreiben, auch wenn sich Frau Heidenreich mit dieser Show, die zweifellos in den letzten Jahren an Qualität eingebüsst hat, und dennoch im Vergleich zu anderen Shows immer noch wie ein Fels in der Brandung steht, nicht anfreunden kann.
Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Genau das hat Elke Heidenreich getan, und nachvollziehen kann sie das wohl nur für sich selbst. Denn dass das ZDF keine Sendeanstalt ist, die nur Schrott zeigt, steht fest. Das auch im ZDF Sendungen laufen, die nicht unbedingt supergut sind, ist auch klar. Schade finde ich es zudem, dass sich die Verantwortlichen des ZDF schon seit einigen Jahren nicht dazu aufraffen, Episoden von „Derrick“ zu wiederholen (gerade jene aus den 1970´er und frühen 1980´er Jahren wären insbesondere für das jüngere Publikum interessant!). Dennoch ist der Rundumschlag von Frau Heidenreich völlig überzogen, und ihre Kündigung seitens des ZDF verständlich.
Thomas Gottschalk und Marcel Reich-Ranicki wissen, wovon sie sprechen. Dem älteren Herrn sitzt manchmal vielleicht zu sehr der Schalk im Nacken, und er übertreibt ziemlich. Andererseits hat er wahrscheinlich gar nicht genug Zeit, um sich genauer dem Fernsehprogramm zu widmen. Für Elke Heidenreich sollte das Programm des ZDF jedoch nicht unbekannt sein. Ja, selbst im ZDF wird durchaus Qualitätsfernsehen gezeigt! Und ein Weilchen dachte ich sogar, dass das – freilich mit Abstrichen – auf die Sendung „Lesen“ zutrifft…
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Freitag, 24. Oktober 2008
Samstag, 18. Oktober 2008
Leben ohne Fernsehen?
Marcel Reich-Ranicki könnte ohne Fernsehen leben. Zumindest tut er so, als ob. Er lehnt einen Preis ab, weil er die stundenlange Fadesse einer Preisverleihungs-Show nicht auf sich sitzen lassen kann. Tatsächlich ist es für einen 88-jährigen Menschen nicht so einfach, mehrere Stunden sitzend darauf zu warten, dass irgendetwas passiert, dann seinen Namen als Preisträger zu hören, und stehend eine Dankesrede zu halten, die er sich gerne erspart hätte. Doch er ist bei der Veranstaltung aufgetaucht, und musste dann also die Fadesse aushalten, der er sich so gerne entzogen hätte.
Nur wenige Tage später hat sich Marcel Reich-Ranicki im Fernsehen in einer eigenen Sendung mit Thomas Gottschalk getroffen, um über das Fernsehen zu sprechen. Anders als bei seinen sonstigen Fernseh-Auftritten kam Gottschalk fast intellektuell daher. Er verteidigte die Fernsehsender, welche der Quote verpflichtet wären. Sendungen mit intellektuellem Charme hätten kaum Chancen, von vielen Menschen gesehen zu werden, und die leichte, lockere Unterhaltung mag das non plus ultra der Fernsehlandschaft sein. Selbstverständlich verneinte der Literaturkritiker Reich-Ranicki alle Ansichten, die der Show-Krösus Gottschalk von sich gab. Er traue es Gottschalk durchaus zu, eine anspruchsvolle Sendung zu moderieren, bei der dann die Massen vor dem Fernsehbildschirm kleben bleiben würden. Warum immer nur seichte Unterhaltung?
Reich-Ranicki und Gottschalk kannten sich schon vor dieser kleinen Sendung. Sie begegneten einander sogar mal bei „Wetten…dass?“… Wer Marcel Reich-Ranicki zuhörte, könnte dem Glauben verfallen, das Fernsehen sei nur eine Verdummungsmaschine, und somit wäre es am besten, gar nicht erst einzuschalten, und stattdessen ein gutes Buch zu lesen. Natürlich gäbe es immer wieder gute Filme zu sehen, die einen gewissen Anspruch erfüllen. So etwa eine Dokumentation über Kissinger auf ARTE. Doch prinzipiell könne vom Fernsehen nicht viel erwartet werden.
Es gibt nicht wenige Menschen, die tatsächlich auf einen Fernseher verzichten, und sich stattdessen Radiosendungen hingeben, oder ein gutes Buch lesen. Es müsste genauer erforscht werden, ob diese Menschen auch auf das Internet verzichten. Früher haben die Menschen auch ohne Fernsehen leben können, also so schwierig kann dieses Unterfangen ja nicht sein, oder?
Ich gehöre zu jenen Menschen, die nicht wild herumzappen, und auf eine glückliche Fügung hoffen, dass mir irgendwann das meiner Gefühlslage entsprechende Programm zugespielt wird. Nein, ich setze mich mit dem Fernsehprogramm konstruktiv auseinander, und gestalte mir mein Programm selbst. Dadurch ist es mir möglich, meinen Interessen gemäß Fernsehbilder serviert zu bekommen. Es ist nicht alles „Qualitätsfernsehen“, was ich bevorzuge, doch auf vieles mag dieses Wörtchen zutreffen. ARTE und 3 SAT sind zwei meiner Lieblingssender, weil hier Kultur eine essenzielle Rolle spielt, ausgezeichnete Filme zu sehen sind, und Themenabende sowie Dokumentationen hintergründiges über Menschen, die in den weniger bekannten Winkeln der Welt leben, erzählen.
Könnte ich ohne Fernsehen leben? Ja, ganz sicher sogar. Aber ich schalte den Fernseher gerne an, und lasse mich auf Welten ein, die ich selbst gewählt habe. Warum sollte ich mich mit Talk-Shows („Hilfe, mein Nachbar wohnt nebenan!“), Ratesendungen oder Anti-Sänger-Wettstreitigkeiten abgeben? Wie im Internet auch habe ich die Möglichkeit, auszuwählen, was ich bevorzuge. Es existiert kein Zwang, mich dem Schwachsinn auszuliefern. Das dies viele Menschen tun will ich nicht bestreiten, aber diese Menschen haben auch eine Wahl getroffen. Wer wählt, muss dies für sich selbst verantworten. Das Fernsehen hat das Leben der Menschen dahingehend revolutioniert, weil sie Bilder aus allen Ecken und Enden der Welt sehen können, ein bisschen Bescheid wissen über die Lebensbedingungen anderer Menschen, die weit entfernt leben, und da nehme ich gerne in Kauf, dass Privatsender und sogar die Öffentlich-Rechtlichen unsinnige Sendungen im Programm haben.
Marcel Reich-Ranicki hat aus einer Maus einen Elefanten gemacht. Das Fernsehen ist nicht so schlecht, wie er es dem Fernsehpublikum vorgaukeln mag. Immerhin hat er mit dem „Literarischen Quartett“ die Möglichkeit gehabt, sogar der Literatur im Fernsehen einen ihr gebührenden Platz zu reservieren. Tatsächlich gibt es zahlreiche Literatursendungen (sogar der ORF hat seit kurzen wieder eine..), und damit müsste der 88-jährige Mann doch zufrieden sein? Nein, es existiert kein Elefant namens absolute Verdummungsmaschine, sondern nur eine Maus namens Fernbedienung. Wer sich dem Fernsehen entziehen will, der kann dies gerne tun. Ich keineswegs. Auch heute werde ich der kleinen Maus wieder huldigen. Und ich weiß schon, welche Kleidung diese gar nicht graue Maus trägt…
Nur wenige Tage später hat sich Marcel Reich-Ranicki im Fernsehen in einer eigenen Sendung mit Thomas Gottschalk getroffen, um über das Fernsehen zu sprechen. Anders als bei seinen sonstigen Fernseh-Auftritten kam Gottschalk fast intellektuell daher. Er verteidigte die Fernsehsender, welche der Quote verpflichtet wären. Sendungen mit intellektuellem Charme hätten kaum Chancen, von vielen Menschen gesehen zu werden, und die leichte, lockere Unterhaltung mag das non plus ultra der Fernsehlandschaft sein. Selbstverständlich verneinte der Literaturkritiker Reich-Ranicki alle Ansichten, die der Show-Krösus Gottschalk von sich gab. Er traue es Gottschalk durchaus zu, eine anspruchsvolle Sendung zu moderieren, bei der dann die Massen vor dem Fernsehbildschirm kleben bleiben würden. Warum immer nur seichte Unterhaltung?
Reich-Ranicki und Gottschalk kannten sich schon vor dieser kleinen Sendung. Sie begegneten einander sogar mal bei „Wetten…dass?“… Wer Marcel Reich-Ranicki zuhörte, könnte dem Glauben verfallen, das Fernsehen sei nur eine Verdummungsmaschine, und somit wäre es am besten, gar nicht erst einzuschalten, und stattdessen ein gutes Buch zu lesen. Natürlich gäbe es immer wieder gute Filme zu sehen, die einen gewissen Anspruch erfüllen. So etwa eine Dokumentation über Kissinger auf ARTE. Doch prinzipiell könne vom Fernsehen nicht viel erwartet werden.
Es gibt nicht wenige Menschen, die tatsächlich auf einen Fernseher verzichten, und sich stattdessen Radiosendungen hingeben, oder ein gutes Buch lesen. Es müsste genauer erforscht werden, ob diese Menschen auch auf das Internet verzichten. Früher haben die Menschen auch ohne Fernsehen leben können, also so schwierig kann dieses Unterfangen ja nicht sein, oder?
Ich gehöre zu jenen Menschen, die nicht wild herumzappen, und auf eine glückliche Fügung hoffen, dass mir irgendwann das meiner Gefühlslage entsprechende Programm zugespielt wird. Nein, ich setze mich mit dem Fernsehprogramm konstruktiv auseinander, und gestalte mir mein Programm selbst. Dadurch ist es mir möglich, meinen Interessen gemäß Fernsehbilder serviert zu bekommen. Es ist nicht alles „Qualitätsfernsehen“, was ich bevorzuge, doch auf vieles mag dieses Wörtchen zutreffen. ARTE und 3 SAT sind zwei meiner Lieblingssender, weil hier Kultur eine essenzielle Rolle spielt, ausgezeichnete Filme zu sehen sind, und Themenabende sowie Dokumentationen hintergründiges über Menschen, die in den weniger bekannten Winkeln der Welt leben, erzählen.
Könnte ich ohne Fernsehen leben? Ja, ganz sicher sogar. Aber ich schalte den Fernseher gerne an, und lasse mich auf Welten ein, die ich selbst gewählt habe. Warum sollte ich mich mit Talk-Shows („Hilfe, mein Nachbar wohnt nebenan!“), Ratesendungen oder Anti-Sänger-Wettstreitigkeiten abgeben? Wie im Internet auch habe ich die Möglichkeit, auszuwählen, was ich bevorzuge. Es existiert kein Zwang, mich dem Schwachsinn auszuliefern. Das dies viele Menschen tun will ich nicht bestreiten, aber diese Menschen haben auch eine Wahl getroffen. Wer wählt, muss dies für sich selbst verantworten. Das Fernsehen hat das Leben der Menschen dahingehend revolutioniert, weil sie Bilder aus allen Ecken und Enden der Welt sehen können, ein bisschen Bescheid wissen über die Lebensbedingungen anderer Menschen, die weit entfernt leben, und da nehme ich gerne in Kauf, dass Privatsender und sogar die Öffentlich-Rechtlichen unsinnige Sendungen im Programm haben.
Marcel Reich-Ranicki hat aus einer Maus einen Elefanten gemacht. Das Fernsehen ist nicht so schlecht, wie er es dem Fernsehpublikum vorgaukeln mag. Immerhin hat er mit dem „Literarischen Quartett“ die Möglichkeit gehabt, sogar der Literatur im Fernsehen einen ihr gebührenden Platz zu reservieren. Tatsächlich gibt es zahlreiche Literatursendungen (sogar der ORF hat seit kurzen wieder eine..), und damit müsste der 88-jährige Mann doch zufrieden sein? Nein, es existiert kein Elefant namens absolute Verdummungsmaschine, sondern nur eine Maus namens Fernbedienung. Wer sich dem Fernsehen entziehen will, der kann dies gerne tun. Ich keineswegs. Auch heute werde ich der kleinen Maus wieder huldigen. Und ich weiß schon, welche Kleidung diese gar nicht graue Maus trägt…
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