Sonntag, 15. Juni 2008
Fußball-EM, Teil 6: Exkurs über die ungarische Fußball-Nationalmannschaft
Ganz anders sieht die Sache aus, wenn von den Duellen gegen die ungarische Fußball-Nationalmannschaft ausgegangen wird. Gab es gegen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Laufe der Fußball-Geschichte gerade mal knapp drei Dutzend Spiele auszutragen, sind es gegen die Ungarn schon weit über 100. Das Besondere an Spielen gegen Ungarn ist die Tatsache, dass es sich um „Bruderduelle“ handelt. Österreich und Ungarn gehörten einmal zusammen, und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass ich nach wie vor die Däumchen für Ungarn drücke (freilich habe ich auch ungarisches Blut in mir, da mein Großvater mütterlicherseits Ungar war). Das Nationalteam oder auch Vereinsmannschaften mögen endlich mal wieder ein bisschen etwas international mitzureden haben. Seit der WM 1982 in Spanien, wo die Ungarn El Salvador mit 10:1 abschossen, und dennoch nicht über die Vorrunde hinauskamen, geht es bei den Ungarn – leider – nicht mehr bergauf. Sehr schade ist es rückblickend, dass 1954 bei der WM in der Schweiz dieses traurige Finale stattfand, bei dem die mit Abstand schlechtere Mannschaft den WM-Titel einstreifen konnte. Die Deutschen hatten es Adi Dassler und der brutalen Ausschaltung von Herrn Puskas zu verdanken, dass Jahrzehnte später ein selbstbeweihräuchender Film über das „Wunder von Bern“ gedreht werden konnte.
Wie auch immer: Die Begegnungen der Fußballnationalmannschaften von Österreich und Ungarn zählen für mich nach wie vor zu besonderen Ereignissen. Es ist also nur zu hoffen, dass es schon bald wieder zu einem Duell kommt. Ungarn ist im Übrigen jener „Gegner“, mit dem sich Österreich am häufigsten maß. Die Deutschen liegen diesbezüglich abgeschlagen irgendwo im Mittelfeld. Also, sollte die österreichische Fußballnationalmannschaft gegen die Deutschen gewinnen, ist es – auch – deswegen ein seltenes Ereignis, weil von zahlreichen Duellen im Laufe der Fußball-Geschichte nicht die Rede sein kann. Wien wird nicht Gijon werden, und diese Schmach gilt es auszumerzen. Cordoba war eine Sternstunde des österreichischen Fußballs, Gijon ein Schandfleck. Beiderlei sollte morgen an Bedeutung verlieren. Zumindest wäre es schön. Und als Sahnehäubchen möge dann die erfolgreiche österreichische Fußball-Nationalmannschaft nach der Europameisterschaft so bald wie möglich die Ungarn zu einem Freundschaftsspiel einladen. Leider hat die WM-Qualifikation zwar attraktive Gegner beschert, aber die Ungarn konnten, glaube ich, gar nicht als Gegner in Frage kommen…
Und so ganz nebenbei möchte ich noch vermerken, dass mit der Schweiz ein wunderbarer Gastgeber, und eine starke Nationalmannschaft frühzeitig aus der EM ausgeschieden ist. Die Niederlage gegen die Türken war ebenso unverdient wie jene gegen Tschechien. Aber warum sollte es gerade im Fußball Gerechtigkeit geben? Vielleicht ja doch am 16.6.2008 im Ernst-Happel-Stadion…
Dienstag, 20. Mai 2008
Fußball-EM, Teil 3: Literaten unter sich
http://www.youtube.com/watch?v=RdPvSSNBX0Y
Im zweiten Spiel trat dann Österreich als klarer Favorit gegen Slowenien an. Ich war überrascht, wie gut die Slowenen mithielten. Manchmal lief das Spiel fast wie an der Schnur gezogen, nachdem in der Vorbereitung das Literaten-Nationalteam von Slowenien gegen Österreich noch 0:18 untergegangen war. Doch mitten im Spiel sorgte der Platzsprecher für das Ende meiner Verwirrung. Die Slowenen traten mit einer deutlich jüngeren Mannschaft an als angekündigt, und so war diese plötzliche Steigerung nachvollziehbar. Gegen die mit gezinkten Karten spielenden Slowenen waren die Österreicher dennoch drückend überlegen. Wie so oft endete das Spiel aber mit einer unglücklichen 1:2 Niederlage und damit war der Traum vom Gewinn der Literaten-Europameisterschaft für Österreich wohl ausgeträumt.
Der zweite Tag sorgte dann bei Dauerregen vor höchstens 100 Zuschauern zu zwischenzeitlichen Schlammschlachten. Der Torraum vor der blauen Tribüne mochte Schlammcatchern ein gutes Terrain bieten. Ja, und es wurde auch Fußball gespielt. Den Slowenen nutzten die gezinkten Karten gegen die Ungarn nichts, die auf dem tiefen Boden aber mehr Probleme hatten, als ihnen lieb war. Rasch waren die Favoriten mit 1:0 in Führung gegangen. Allerdings hatten sich zwei Slowenen gegenseitig gestört, und das Tor stand sperrangelweit offen. In der zweiten Halbzeit teilweise gefälliges Spiel der blutjungen Slowenen, die knapp vor Schluss eine Riesenchance versemmelten. Die Ungarn machten es besser und erzielten aus einem Konter das entscheidende 2:0. Von den Spielanteilen her gesehen wäre vielleicht auch ein Unentschieden nicht überraschend gewesen. Doch die Ungarn erwiesen sich als kaltschnäuziger und im Spielaufbau konstruktiver.
Das zweite Spiel der Österreicher, diesmal gegen die Schweiz, geriet zu einem Desaster. In der ersten Halbzeit waren die Verhältnisse noch ausgeglichen. Nach einem Freistoßtreffer der Schweiz traf Michael Hansel mit einem herrlichen Freistoss zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Noch vor der Pause nach schönem Doppelpass gingen die Schweizer in Führung, und in der zweiten Halbzeit hatten die zum Teil hilflos wirkenden Österreicher gegen die Schweizer nicht den Funken einer Chance. Angriff auf Angriff rollte auf das Tor der Österreicher zu. Franzobel erwies sich als rechter Verteidiger wenig einsatzfreudig, und wurde ständig von der Armada überlaufen. Das Endergebnis von 5:1 für die Schweiz war auch in dieser Höhe verdient. Bei den Österreichern hatte einzig Michael Hansel sein ballesterisches Können ein wenig andeuten können.
Keiner konnte es nach dem Desaster der Österreicher wissen, aber damit war die Literaten-Europameisterschaft auch schon beendet. Der dritte Tag, welcher das mit Spannung erwartete Spiel der hochfavorisierten Ungarn gegen Österreich bereit gehalten hätte, musste wegen Dauerregens abgesagt werden. Der vierte und letzte Platz wäre für Österreich jedoch ohnehin nicht zu retten gewesen. Selbst ein Sieg gegen die Ungarn hätte daran nichts geändert. Seinerseits standen die Ungarn grundsätzlich schon nach zwei Spielen so gut wie als Europameister fest.
Schade, dass es nicht zum finalen Showdown kam. Ungarn krönte sich also verdientermaßen zum Literaten-Europameister, und ließ die Schweiz und Slowenien hinter sich. Österreich hatte nur in der zweiten Halbzeit gegen die Slowenen überzeugen können. Diese Veranstaltung hätte sich weit mehr Zuschauer verdient, zumal es ja keine Selbstverständlichkeit darstellt, Autoren auf die Füße zu schauen… Ach ja, abgesehen vom Großteil der österreichischen Autoren sind mir bislang keine Autoren aus den anderen Nationalkadern bekannt. Vielleicht mache ich mich mit dem einen oder anderen Buch dieser wackeren Burschen noch vertraut…
